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IP-Adresse unter Linux ändern: Netzwerkschnittstellen mit ifconfig verwalten

Lerne, mit ifconfig Linux-Netzwerkschnittstellen anzuzeigen, IPv4-Adresse und Subnetzmaske temporär zu setzen sowie Schnittstellen zu aktivieren und deaktivieren.

Mit ifconfig lassen sich Netzwerkschnittstellen unter Linux anzeigen und einige ihrer Einstellungen zur Laufzeit verändern. Dieses ältere Werkzeug ist besonders in älteren Linux-Umgebungen relevant. Für aktuelle Systeme ist ip aus dem Paket iproute2 meist die bevorzugte Alternative.

In diesem Artikel geht es um IPv4-Adressen, Subnetzmasken und den administrativen Status von Netzwerkschnittstellen. Die gezeigten Änderungen sind normalerweise temporär und können bestehende Netzwerk- oder SSH-Verbindungen unterbrechen.

Grundlagen: IP-Adresse und Netzwerkschnittstelle

Eine IP-Adresse ist eine logische Adresse innerhalb eines IP-Netzes. Sie identifiziert nicht nur einen gesamten Rechner, sondern wird in der Praxis einer bestimmten Netzwerkschnittstelle zugeordnet. Eine Netzwerkschnittstelle ist der Netzwerkzugang eines Systems, beispielsweise eine Ethernet-, WLAN-, Loopback- oder virtuelle Schnittstelle.

IPv4-Adressen bestehen aus vier durch Punkte getrennten Dezimalzahlen, zum Beispiel 192.168.1.20. Die zugehörige Subnetzmaske legt fest, welcher Teil der Adresse das Netz und welcher Teil den einzelnen Host bezeichnet. 255.255.255.0 entspricht dem Netzpräfix /24.

Physische und virtuelle Schnittstellen

  • Eine physische Schnittstelle ist an echte Netzwerkhardware gebunden, etwa einen Ethernet- oder WLAN-Adapter.
  • Eine virtuelle Schnittstelle existiert logisch innerhalb des Systems, zum Beispiel die Loopback-Schnittstelle lo oder eine Schnittstelle für eine virtuelle Maschine.
  • Die Konfiguration besteht aus Parametern wie IP-Adresse, Subnetzmaske, Status und gegebenenfalls Routen. Die Schnittstelle selbst ist dabei nicht dasselbe wie ihre Konfiguration.

eth0 ist ein traditioneller Name für die erste Ethernet-Schnittstelle älterer Linux-Systeme. Moderne Distributionen verwenden häufig vorhersehbare Namen wie enp0s3 oder ens33. Daher sollte eth0 in Beispielen durch den tatsächlich vorhandenen Namen ersetzt werden.

Was ist ifconfig?

ifconfig stammt aus dem älteren Paket net-tools. Es kann Informationen zu Netzwerkschnittstellen anzeigen und unter anderem IPv4-Adressen, Subnetzmasken sowie den Status einer Schnittstelle zur Laufzeit verändern.

Auf vielen aktuellen Distributionen ist ifconfig nicht standardmäßig installiert. Die modernen Werkzeuge gehören zu iproute2. Besonders wichtig sind:

  • ip addr zum Anzeigen und Verwalten von IP-Adressen
  • ip link zum Anzeigen und Verwalten des Linkstatus von Schnittstellen

Änderungen mit ifconfig gelten normalerweise nur bis zum Neustart, bis zum erneuten Verbinden oder bis ein Netzwerkverwaltungsdienst die Schnittstelle neu konfiguriert. Das Werkzeug schreibt keine dauerhafte Konfiguration in Netzwerkdateien oder automatisch in einen Netzwerkmanager.

Berechtigungen und Sicherheitsmaßnahmen

Das Anzeigen von Schnittstellen ist meist ohne administrative Rechte möglich. Änderungen an IP-Adressen oder am Status einer Schnittstelle benötigen dagegen Root-Rechte. Üblicherweise wird dafür sudo verwendet.

Aktive Schnittstellen mit ifconfig anzeigen

Ohne Argumente zeigt ifconfig üblicherweise nur aktive Schnittstellen an:

ifconfig

Eine typische Ausgabe enthält unter anderem den Schnittstellennamen, die IPv4-Adresse, die Subnetzmaske, die Broadcast-Adresse, die MAC-Adresse, Statusinformationen sowie Sende- und Empfangsstatistiken.

AngabeBedeutungWorauf beim Ändern zu achten ist
SchnittstellennameName des Netzwerkzugangs, zum Beispiel eth0 oder ens33Immer den tatsächlichen Namen des Systems verwenden.
IPv4-AdresseLogische Adresse der Schnittstelle, zum Beispiel 192.168.1.20Sie muss zum Zielnetz passen und eindeutig sein.
SubnetzmaskeTrennt Netzanteil und Hostanteil, zum Beispiel 255.255.255.0Eine falsche Maske kann lokale Kommunikation verhindern.
Broadcast-AdresseAdresse zur Ansprache aller Geräte im IPv4-SubnetzSie ergibt sich normalerweise aus Adresse und Subnetzmaske.
MAC-AdresseHardware- oder Link-Layer-Adresse der SchnittstelleSie ist nicht dasselbe wie die IP-Adresse und wird durch das Setzen einer IPv4-Adresse nicht geändert.
Status/FlagsZeigt unter anderem, ob die Schnittstelle aktiv ist und eine Verbindung meldetup bedeutet administrativ aktiv, down administrativ deaktiviert.
RX/TX-StatistikenEmpfangs- und Sendezähler sowie mögliche FehlerSteigende Fehlerzähler können auf Probleme mit Verbindung oder Hardware hinweisen.

Eine bestimmte Schnittstelle anzeigen

Mit dem Schnittstellennamen als Argument lässt sich die Ausgabe auf eine Schnittstelle beschränken:

ifconfig eth0

Der Name eth0 ist nur ein Beispiel. Ermittle zuerst den tatsächlichen Namen mit ifconfig oder, zuverlässiger auch für inaktive Schnittstellen, mit ifconfig -a. Prüfe anschließend die angezeigte IP-Adresse, MAC-Adresse, Subnetzmaske und den Status.

Alle Schnittstellen einschließlich deaktivierter Schnittstellen anzeigen

Die Option -a bezieht auch Schnittstellen ein, die administrativ deaktiviert sind:

ifconfig -a

Eine heruntergefahrene Schnittstelle kann in der normalen Ausgabe ohne -a fehlen. Das ist häufig der Grund, warum ein angenommener Name wie eth0 nicht gefunden wird. Die Option ist außerdem nützlich, um virtuelle Schnittstellen oder nicht aktive Hardwarezugänge zu identifizieren.

IPv4-Adresse und Subnetzmaske temporär setzen

Die grundlegende Syntax besteht aus Schnittstellenname, IPv4-Adresse und dem Schlüsselwort netmask mit der zugehörigen Maske:

sudo ifconfig <schnittstelle> <ipv4-adresse> netmask <subnetzmaske>

Beispiel für eine temporäre Testkonfiguration:

sudo ifconfig eth0 5.5.5.5 netmask 255.255.255.0

Die Adresse 5.5.5.5 ist hier nur ein vorgegebenes Beispiel und eignet sich nicht automatisch für ein produktives Netzwerk. In einer echten Umgebung müssen Adresse und Maske zum Zielnetz passen. Außerdem darf die Adresse nicht bereits von einem anderen Gerät verwendet werden.

Die Maske 255.255.255.0 entspricht /24. Damit liegen beispielsweise Adressen im Bereich 192.168.1.1 bis 192.168.1.254 typischerweise im selben lokalen Netz, sofern dieses Präfix verwendet wird. Die konkrete Netz- und Broadcast-Adresse hängt vom gewählten Adressbereich ab.

Gesetzte Werte kontrollieren

Frage die Schnittstelle nach der Änderung erneut ab:

ifconfig eth0

Kontrolliere, ob die erwartete IPv4-Adresse und Subnetzmaske angezeigt werden. Bei Bedarf sollten zusätzlich Routing und Namensauflösung getrennt geprüft werden, da das Setzen einer IP-Adresse nicht automatisch eine Default-Route oder DNS-Konfiguration einrichtet.

Schnittstellen aktivieren und deaktivieren

Der Zustand up bedeutet, dass eine Schnittstelle administrativ aktiviert ist. down bedeutet, dass sie administrativ deaktiviert wurde. Eine deaktivierte Schnittstelle führt keine normale Netzwerkkommunikation aus.

Schnittstelle deaktivieren

sudo ifconfig eth0 down

Dieser Befehl beendet die Kommunikation über eth0. Dienste, die diese Verbindung benötigen, können dadurch unerreichbar werden. Eine entfernte Sitzung darf nicht ausschließlich über diese Schnittstelle laufen, wenn kein alternativer Zugang vorhanden ist.

Schnittstelle wieder aktivieren

sudo ifconfig eth0 up

Damit wird der administrative Status wieder aktiviert. Das allein stellt jedoch nicht zwingend eine vollständige Verbindung her. Eine passende IP-Adresse, Route oder DHCP-Konfiguration muss gegebenenfalls separat vorhanden sein. Kontrolliere den Zustand anschließend mit:

ifconfig -a

ifconfig und moderne ip-Befehle im Vergleich

Aufgabeifconfigiproute2-AlternativeHinweis
Aktive Schnittstellen anzeigenifconfigip addr showip ist auf aktuellen Systemen meist verfügbar.
Alle Schnittstellen anzeigenifconfig -aip addr show oder ip link showDie modernen Befehle zeigen auch inaktive Schnittstellen.
Einzelne Schnittstelle anzeigenifconfig eth0ip addr show dev eth0Den tatsächlichen Schnittstellennamen einsetzen.
Schnittstelle aktivierensudo ifconfig eth0 upsudo ip link set dev eth0 upAktiviert den Linkstatus, konfiguriert aber nicht automatisch alle Netzparameter.
Schnittstelle deaktivierensudo ifconfig eth0 downsudo ip link set dev eth0 downUnterbricht die Kommunikation über die Schnittstelle.
IPv4-Adresse setzensudo ifconfig eth0 5.5.5.5 netmask 255.255.255.0sudo ip addr add 5.5.5.5/24 dev eth0ip addr add kann eine zusätzliche Adresse hinzufügen; vorhandene Adressen müssen bewusst geprüft werden.

Die moderne Syntax nutzt beim Präfix häufig CIDR-Schreibweise: /24 steht für 255.255.255.0. Die beiden modernen Link-Befehle zum Aktivieren und Deaktivieren sind getrennte Alternativen und sollten nicht als eine gemeinsame Aktion ausgeführt werden.

Temporäre und dauerhafte Netzwerkkonfiguration

MethodeGültigkeitsdauerTypischer EinsatzEinschränkung
ifconfigBis Neustart, erneuter Verbindung oder Überschreiben durch einen DienstÄltere Systeme, Tests und kurzfristige ÄnderungenKeine dauerhafte Konfiguration; auf aktuellen Systemen oft nicht installiert.
ipEbenfalls grundsätzlich temporärModerne Laufzeitverwaltung und DiagnoseÄndert ohne zusätzliche Konfiguration nicht automatisch die dauerhaften Systemeinstellungen.
NetworkManagerDauerhaft gemäß gespeichertem VerbindungsprofilViele Desktop-Systeme und verwaltete ServerDie genaue Verwaltung hängt von Profilen und Richtlinien des Systems ab.
systemd-networkdDauerhaft gemäß NetzwerkdateienMinimalistische oder serverorientierte SystemeBenötigt eine passende systemd-networkd-Konfiguration.
NetplanDauerhaft nach Anwendung der Netplan-KonfigurationSysteme, die Netplan als Konfigurationsschicht verwendenDie endgültige Verwaltung kann beispielsweise an NetworkManager oder systemd-networkd übergeben werden.

Für eine dauerhafte Adresse muss die auf dem System zuständige Netzwerkverwaltung identifiziert werden. Das kann NetworkManager, systemd-networkd, Netplan oder eine klassische distributionsabhängige Konfigurationsdatei sein. ifconfig selbst ersetzt diese dauerhafte Konfiguration nicht.

Fehlerbehebung

ifconfig: command not found

  • Wahrscheinlich ist das Paket net-tools nicht installiert oder der Befehl liegt nicht im aktuellen PATH.
  • Prüfe, ob net-tools für die verwendete Distribution verfügbar ist.
  • Verwende auf aktuellen Systemen alternativ ip addr und ip link.

Operation not permitted

Der Änderungsbefehl wurde wahrscheinlich ohne Root-Rechte ausgeführt. Wiederhole ihn mit sudo oder aus einer administrativen Sitzung.

Die Adresse ist nach dem Neustart verschwunden

Das ist bei einer mit ifconfig gesetzten Laufzeitadresse normal. Lege die Adresse stattdessen in der zuständigen dauerhaften Netzwerkverwaltung an.

Die SSH-Verbindung bricht ab

Wenn die Adresse oder der Status der für SSH verwendeten Schnittstelle geändert wurde, verliert die Sitzung ihre Netzwerkverbindung. Nutze vorher eine lokale Konsole, einen Out-of-Band-Zugang oder eine zweite Management-Schnittstelle. Teste den Zugriff anschließend über die neue, passende Zieladresse.

Die Schnittstelle erscheint nicht

Sie kann deaktiviert sein oder einen anderen Namen besitzen. Verwende:

ifconfig -a

Alternativ zeigt ip link show alle bekannten Schnittstellen und ihre Namen.

Nach dem Setzen der Adresse ist das Netzwerk nicht erreichbar

  • Prüfe, ob IP-Adresse und Subnetzmaske zum lokalen Netz passen.
  • Schließe aus, dass ein anderes Gerät dieselbe Adresse verwendet.
  • Prüfe Default-Route und Gateway getrennt von der IP-Konfiguration.
  • Prüfe die DNS-Konfiguration getrennt, da eine gesetzte IP-Adresse keine Namensauflösung einrichtet.
  • Kontrolliere, ob NetworkManager oder ein anderer Dienst die manuelle Änderung überschreibt.

Praktischer Ablauf

  1. Ermittle den tatsächlichen Schnittstellennamen mit ifconfig -a.
  2. Dokumentiere die vorhandene Adresse, Maske und den Status mit ifconfig eth0 beziehungsweise dem richtigen Namen.
  3. Stelle sicher, dass du bei einem Fernzugriff einen alternativen Zugang hast.
  4. Setze die temporäre Adresse mit Root-Rechten, zum Beispiel sudo ifconfig eth0 5.5.5.5 netmask 255.255.255.0.
  5. Kontrolliere die Werte erneut mit ifconfig eth0.
  6. Prüfe anschließend Erreichbarkeit, Routing und DNS getrennt.
  7. Wenn die Änderung dauerhaft benötigt wird, konfiguriere die zuständige Netzwerkverwaltung statt erneut nur ifconfig zu verwenden.

Prüfungsrelevante Merksätze

  • ifconfig stammt aus net-tools und ist ein älteres Werkzeug.
  • Ohne Argumente zeigt ifconfig typischerweise nur aktive Schnittstellen.
  • ifconfig -a zeigt auch deaktivierte Schnittstellen.
  • up aktiviert eine Schnittstelle administrativ, down deaktiviert sie.
  • Eine Änderung mit ifconfig ist normalerweise temporär.
  • Konfigurationsänderungen benötigen Root-Rechte, häufig über sudo.
  • Moderne Systeme verwenden bevorzugt ip addr und ip link.
  • Die IP-Adresse muss zum Netz passen und darf nicht doppelt vergeben sein.

Weitere Grundlagen findest du unter IP-Adresse ändern.